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Experimente

Künstlerische Fotografie mit Langzeitbelichtung

Die Langzeitbelichtung zeigt, was das Auge nie sieht: den Verlauf von Bewegung über Sekunden.

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2026

Langzeitbelichtung an einer Küste: das Wasser verwischt zu einer glatten Fläche, Lichter ziehen Spuren
Foto: Radomianin · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Eine Langzeitbelichtung sammelt Licht über Sekunden oder Minuten. Alles, was sich in dieser Zeit bewegt, wird zu einer Spur oder verschwindet ganz – was stillsteht, bleibt scharf.

Was du brauchst

Stativ. Nicht verhandelbar. Bei dreißig Sekunden Belichtung ist jede Bewegung sichtbar.

Graufilter. Am Tag ist es zu hell für lange Zeiten. Ein ND1000 mit zehn Blendenstufen macht aus 1/125 Sekunde rund acht Sekunden.

Fernauslöser. Über dreißig Sekunden brauchst du den Bulb-Modus, und den hältst du nicht mit dem Finger.

Die Rechnung

Miss zuerst ohne Filter und notiere die Zeit. Dann verdoppelst du sie pro Blendenstufe des Filters. Bei 1/125 Sekunde und einem ND1000: 1/125 → 1/60 → 1/30 → 1/15 → 1/8 → 1/4 → 1/2 → 1 → 2 → 4 → 8 Sekunden.

Fokus vorher setzen und auf manuell stellen – durch einen ND1000 findet der Autofokus nichts.

Was welche Zeit bewirkt

1/4 bis 1 Sekunde: Wasser bekommt Struktur und Fließrichtung, bleibt aber erkennbar. Meist die interessanteste Stufe bei Bächen und Wasserfällen.

2 bis 10 Sekunden: Wellen werden zu Nebel, Wolken bekommen Richtung.

30 Sekunden bis mehrere Minuten: Wasser wird zur glatten Fläche, Wolken zu Streifen, Menschen verschwinden vollständig.

Die letzte Stufe ist der Grund, warum Langzeitbelichtung in der Architekturfotografie so nützlich ist: Ein belebter Platz wird menschenleer.

Ohne Filter

Nach Sonnenuntergang und nachts brauchst du keinen Graufilter. Lichtspuren von Autos, Karussells und Sternen entstehen von selbst – siehe Architekturfotografie bei Nacht und Astrofotografie.

Häufige Probleme

Farbstich. Starke Graufilter färben oft ins Bräunliche oder Blaue. In RAW aufnehmen und den Weißabgleich nachziehen.

Lichteinfall durch den Sucher. Bei DSLRs bei langen Zeiten den Okularverschluss schließen oder abdecken.

Verwacklung durch Wind. Die Kameratasche an den Stativhaken hängen, Bildstabilisator ausschalten – auf dem Stativ arbeitet er gegen sich selbst.

Verwandt: Fotografie mit Doppelbelichtung und abstrakte Kompositionen.


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