Foto-Projekte
Eine Fotoserie aufbauen
Der schwerste Teil einer Serie ist, gute Bilder wegzuwerfen, weil sie nicht dazugehören.
Zuletzt aktualisiert: 12. August 2026
Eine Serie ist keine Sammlung guter Bilder. Sie ist eine Auswahl, bei der jedes Bild etwas beiträgt, was die anderen nicht schon zeigen - und bei der die Reihenfolge eine Rolle spielt.
Die Auswahl
Der übliche Ausgangspunkt sind zweihundert bis fünfhundert Aufnahmen. Daraus werden zwölf bis zwanzig.
Ein Verfahren, das funktioniert:
Erster Durchgang, schnell. Alles raus, was technisch nicht trägt oder offensichtlich schwach ist. Nicht nachdenken, nur wegklicken.
Zweiter Durchgang, thematisch. Was bleibt, nach Motivgruppen sortieren. Jetzt wird sichtbar, wovon es zu viel gibt.
Dritter Durchgang, streichen. Aus jeder Gruppe das stärkste Bild behalten, die anderen entfernen - auch wenn sie gut sind. Zwei ähnliche Bilder schwächen sich gegenseitig.
Pause. Mindestens eine Woche. Danach sieht man die Auswahl anders.
Die Reihenfolge
Eine Serie wird gelesen wie ein Text, von vorn nach hinten. Drei Regeln helfen:
Das erste Bild setzt den Rahmen. Es sagt, worum es geht, ohne alles vorwegzunehmen.
Rhythmus wechseln. Nah und weit, hell und dunkel, ruhig und bewegt im Wechsel. Fünf Nahaufnahmen hintereinander ermüden.
Anschlüsse beachten. Zwei aufeinanderfolgende Bilder sollten etwas teilen - eine Form, eine Farbe, eine Blickrichtung - oder bewusst kontrastieren. Was in der Mitte liegt, wirkt beliebig.
Das letzte Bild schliesst. Meist ein ruhiges, weiteres, offeneres Bild.
Wie viele Bilder
Zwölf bis zwanzig ist für die meisten Themen die richtige Grösse. Unter zehn wirkt es wie eine Auswahl, über dreissig verliert es an Dichte.
Wenn eine Serie unbedingt vierzig Bilder braucht, sind es meist zwei Serien.
Wann sie fertig ist
Eine Serie ist fertig, wenn sich kein Bild mehr entfernen lässt, ohne dass etwas fehlt - und keins mehr hinzufügen, ohne dass etwas verwässert.
Praktischer Test: Zeig die Serie jemandem, ohne sie zu erklären. Wenn die Person nach dem dritten Bild versteht, worum es geht, trägt sie.
Zeigen
Ein Ausdruck auf dem Tisch, in der Reihenfolge ausgelegt, sagt mehr über eine Serie als jede Bildschirmansicht. Wer die Bilder physisch umsortieren kann, findet die Reihenfolge schneller.
Verwandt: Das 365-Tage-Projekt und das Archiv der Photounity, in der genau so gearbeitet wurde.
Weiterlesen
365 Tage
Das 365-Tage-Projekt
Die meisten 365-Projekte scheitern in Woche sechs. Fast immer, weil die Regel zu gross war.
Archiv
Das Archiv der Photounity 2002 bis 2012
Zehn Jahre, über 750 Beiträge, mehr als hundert Mitglieder. Die Photounity war ein Weblog, bevor es Bildportale gab.
365 Tage
Das 365-Tage-Projekt
Die meisten 365-Projekte scheitern in Woche sechs. Fast immer, weil die Regel zu gross war.