Farbfotografie
Fotografieren in der goldenen Stunde
Die goldene Stunde dauert selten eine Stunde. Was sie liefert, lässt sich mit keiner Nachbearbeitung nachbauen.
Zuletzt aktualisiert: 12. August 2026
Die goldene Stunde ist der Zeitraum kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang, in dem die Sonne flach steht und ihr Licht einen langen Weg durch die Atmosphäre nimmt.
Was physikalisch passiert
Bei flachem Einfallswinkel durchquert das Licht deutlich mehr Luft als mittags. Kurzwelliges blaues Licht wird dabei stärker gestreut, übrig bleibt der langwellige rot-gelbe Anteil. Gleichzeitig wirkt die Atmosphäre wie ein riesiger Diffusor - das Licht wird weicher.
Daraus folgen drei Eigenschaften:
Warme Farbtemperatur. Etwa 2.000 bis 3.500 Kelvin statt 5.500 am Mittag.
Flacher Einfallswinkel. Lange Schatten, Struktur wird sichtbar, Gesichter werden von der Seite modelliert statt von oben.
Weiche Kanten. Der Kontrast zwischen Licht und Schatten ist deutlich geringer als mittags.
Wie lange sie dauert
Der Name führt in die Irre. In Mitteleuropa dauert die goldene Stunde im Sommer tatsächlich etwa eine Stunde, im Winter oft nur zwanzig bis dreissig Minuten. In Äquatornähe sind es kaum zwanzig Minuten, weil die Sonne fast senkrecht auf- und untergeht.
Praktische Konsequenz: vorher da sein, aufgebaut haben, und wissen, wo man steht.
Die blaue Stunde danach
Nach Sonnenuntergang folgt die blaue Stunde: Die Sonne steht unter dem Horizont, der Himmel leuchtet gleichmässig blau. Das Licht ist sehr weich, kalt und richtungslos.
Für Architektur ist das der wichtigste Zeitpunkt überhaupt, weil Himmelshelligkeit und Kunstlicht sich die Waage halten.
Planung
Zwei Angaben genügen: Sonnenauf- und -untergangszeit sowie der Azimut, also die Himmelsrichtung. Beides liefern kostenlose Apps und Webseiten.
Damit lässt sich vorher bestimmen, ob eine Fassade angeleuchtet wird oder im Schatten liegt und aus welcher Richtung das Licht auf eine Landschaft fällt. Das erspart Fahrten zur falschen Tageszeit.
Was daraus wird
Gegenlicht mit Lichtkanten um Haare und Konturen, lange Schatten als Bildelement, warme Hauttöne ohne Korrektur. Wie sich das im Porträt nutzen lässt, steht unter Porträtfotografie mit natürlichem Licht, für die Landschaft unter Landschaftsfotografie.
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