Makro
Makrofotografie: Schnee und Eis
Schneekristalle halten wenige Minuten. Alles an dieser Disziplin ist ein Wettlauf mit der Wärme.
Zuletzt aktualisiert: 12. August 2026
Schneekristalle sind das anspruchsvollste Makromotiv der Winterfotografie - nicht wegen der Optik, sondern weil das Motiv schmilzt, sobald man sich darüberbeugt.
Die Temperaturregel
Alles muss kalt sein: die Kamera, das Objektiv, der Untergrund und du. Praktisch heisst das:
Die Ausrüstung eine halbe Stunde vor dem Fotografieren nach draussen legen. Eine warme Kamera erzeugt Aufwind und schmilzt den Kristall, bevor du fokussiert hast.
Beim Hereinbringen die Kamera in eine Tüte packen und darin auf Zimmertemperatur kommen lassen. Sonst schlägt sich Kondenswasser im Inneren nieder - auch auf dem Sensor.
Nicht über das Motiv atmen. Ein einziger Atemzug reicht.
Der Untergrund
Kristalle fängt man am besten auf einer dunklen, glatten Fläche auf, die vorher draussen lag: ein Stück schwarzer Filz, eine Handschuhoberfläche, eine Glasscheibe. Auf Glas kann man von unten beleuchten, was die Struktur durchscheinen lässt.
Auf frischem Pulverschnee liegen Kristalle ebenfalls gut, verschwinden aber optisch im Gewühl.
Belichtung
Wie in jeder Schneesituation zieht die Kamera das Weiss auf Mittelgrau. Ein bis zwei Blendenstufen Korrektur nach oben, dann das Histogramm prüfen: Die Spitze soll rechts liegen, aber nicht anschlagen.
Blende f/8 bis f/11, Licht seitlich oder von hinten - Streiflicht macht die Kanten sichtbar, frontales Licht macht den Kristall flach.
Eisstrukturen
Wenn keine Kristalle fallen, sind gefrorene Pfützen das dankbarere Motiv: Luftblasen unter der Oberfläche, Risse, Frostblumen an Fensterscheiben. Diese Motive laufen nicht weg und vertragen Focus Stacking.
Verwandtes: Wassertröpfchen und, für die grosse Form desselben Wetters, Landschaftsfotografie in den Alpen.
Häufige Fragen
Warum beschlägt mein Objektiv im Winter?
Weil warme, feuchte Luft auf eine kalte Oberfläche trifft. Draussen passiert das kaum - das Problem entsteht beim Hereingehen. Kamera vor dem Betreten des Hauses luftdicht in eine Tüte packen, dann kondensiert die Feuchtigkeit aussen auf der Tüte statt auf der Optik.
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