Tierfotografie
Tierfotografie mit Teleobjektiven
Ein Teleobjektiv holt nichts heran. Es schneidet einen engeren Winkel aus - mit allen Folgen für Raum und Schärfe.
Zuletzt aktualisiert: 12. August 2026
Lange Brennweiten sind das Handwerkszeug der Tierfotografie. Was sie tatsächlich tun, wird dabei oft missverstanden.
Was Brennweite bewirkt
Ein 500-mm-Objektiv vergrössert nicht, es verengt den Bildwinkel. Daraus folgen drei Effekte:
Raumkompression. Vorder- und Hintergrund rücken scheinbar zusammen. Ein Reh vor einem Waldrand wirkt bei 500 mm, als stünde es direkt davor.
Freistellung. Bei gleicher Blende ist die Schärfentiefe umso geringer, je länger die Brennweite. Ein 400 mm bei f/5.6 stellt stärker frei als ein 50 mm bei f/2.
Verwacklungsempfindlichkeit. Jede Bewegung wird mitvergrössert. Die Faustregel Kehrwert der Brennweite - also 1/500 Sekunde bei 500 mm - ist die Untergrenze, nicht der Zielwert.
Lichtstärke gegen Reichweite
Die ehrliche Rechnung: Ein 500 mm f/4 kostet ein Vielfaches eines 150-600 mm f/5-6.3 und wiegt mehr als doppelt so viel. Es bringt gut eineinhalb Blendenstufen.
Für die meisten ist das Zoom die bessere Wahl, weil Tiere sich nicht an einen festen Abstand halten. Die fehlenden Blendenstufen holt moderne Sensortechnik über ISO fast auf.
Telekonverter
Ein 1,4-fach-Konverter macht aus 400 mm 560 mm und kostet eine Blendenstufe. Ein 2-fach-Konverter kostet zwei Stufen und meist sichtbar Schärfe. Der 1,4er ist fast immer sinnvoll, der 2er selten.
Wichtig: Viele Autofokussysteme arbeiten unterhalb von f/8 nicht mehr zuverlässig. Prüfen, bevor man kauft.
Stabilisierung und Auflage
Der Bildstabilisator gleicht Drehungen aus und bringt bei langen Brennweiten real zwei bis drei Stufen. Er ersetzt keine Auflage.
Ein Einbeinstativ ist im Feld praktischer als ein Dreibein: schnell versetzbar, trägt das Gewicht, reicht für stehende Motive. Für den Ansitz aus dem Tarnzelt ist der Bohnensack die beste Lösung überhaupt.
Weiter: Tierfotografie im Wald und Den perfekten Moment einfangen.
Häufige Fragen
Vollformat oder Crop für Tierfotografie?
Crop hat hier einen echten Vorteil: Der kleinere Sensor bildet einen engeren Ausschnitt ab, aus 400 mm werden effektiv 600 mm. Bei gutem Licht ist das ein Gewinn. Bei Dämmerung dreht sich der Vorteil um, weil Vollformat weniger rauscht.
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